bak Berlin | Forderungen des bak zur Steigerung der Berliner Schulqualität

07.02.2014 | Berlin

Zur Erhöhung der Qualität der Ausbildung für das Lehramt Grundschule ist im Vorbereitungsdienst die Ausbildung in zwei Fächer zu intensivieren!

Zurzeit werden in Berlin angehende Grundschullehrkräfte gemäß §10 Absatz 2 des Gesetzes über die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer im Land Berlin (Lehrkräftebildungsgesetz – LbiG) vom 7.Februar 2014 im Vorbereitungsdienst in drei Fächern ausgebildet.

Das Motiv, die Drei-Fach-Ausbildung auf den Vorbereitungsdienst auszuweiten, um die Qualität des Unterrichts an den Grundschulen, insbesondere im Mangelfach Mathematik, zu verbessern, können wir grundsätzlich nachvollziehen und unterstützen. Erste Ergebnisse in der Praxis weisen aber darauf hin, dass das Ziel der Qualitätsverbesserung deutlich verfehlt wird. Unsere erheblichen Bedenken gegen die Drei-Fach-Ausbildung im Vorbereitungsdienst beziehen sich sowohl auf die Ausbildung in den Fachseminaren als auch besonders auf die Ausbildung an den Schulen:

Es kommt – trotz der Ausbildung in den drei Fächern – nicht zu einer Qualitätssteigerung des Unterrichts, weil pro Fach weniger Zeit an Ausbildung im Fachseminar und an selbständigem Unterricht zur Verfügung steht.

 

Der bak Berlin fordert flexiblere Ausbildungszeiten im Vorbereitungsdienst.

Unter der Voraussetzung, das Praxissemester im Masterstudiengang absolviert zu haben, muss es möglich sein, die Ausbildung zu verkürzen. Ebenso muss es möglich sein, dass die Ausbilder, wenn sie es für geboten halten, die Ausbildung verlängern, ohne dass der Kandidat erstmal durch das Staatsexamen fallen muss. Im Übrigen gibt es eine ähnliche Regelung schon im Anpassungslehrgang.

Der bak Berlin fordert, Lehrkräfte im Oberschulbereich im Vorbereitungsdienst entsprechend ihrer universitären Ausbildung einzusetzen:
Das spezifische Berliner Lehramt ISS/Gymnasium, das in anderen Bundesländern nicht angeboten wird, führt dazu, dass Bewerber aus eben diesen Bundesländern, die dort entweder Lehramt mit zwei Wahlfächern oder Lehramt Gymnasium studiert haben, hier an Schulen eingesetzt werden, die nicht ihrer universitären Ausbildung entsprechen. Dies hat bereits in einigen Fällen zum Abbruch der Ausbildung geführt. U.U. bewerben sich auch die Kandidaten gar nicht erst in Berlin, weil sie genau wissen, dass sie mit ihrem Lehramt hier in Berlin nicht schulspezifisch eingesetzt werden.

Der bak Berlin fordert ein Anforderungsprofil für die Ausbildungsgutachten.
Aus Gründen der Gleichbehandlung aller Referendar*Innen im Vorbereitungsdienst muss es ein verbindlich festgelegtes Stellenprofil geben, das die Gewichtung der Ausbildungskriterien festlegt und das für die Beurteilung aller Referendar*Innen dieser Stadt zugrunde gelegt wird. Es kann nicht sein, dass die Gewichtung einzelner Kriterien subjektiv dem/der jeweiligen Ausbilder*Innen überlassen wird.

Der bak Berlin fordert eine schulformgerechte Begleitung von Quereinsteigenden in QuerBer.
Insbesondere in QuerBer kommt es häufig vor, dass die Paten, die Quereinsteiger*Innen beraten und betreuen, nicht über die Qualifikation eines Grundschullehramtes und auch nicht über die entsprechende Lehrerfahrung verfügen, aber dort ausbilden. Es kann nicht sein, dass Studienräte, die kaum bis gar keine Erfahrung und/oder Kenntnisse von hochkomplexen Lernprozessen der Grundschule haben, in diesem Bereich ausbilden.

Der bak Berlin fordert die Einhaltung der im Lehrerbildungsgesetz verankerten Trennung der Lehrämter (Lehramt für die Grundschule, für ISS/Gymnasium, für das berufsbildenden Lehramt) während des Vorbereitungsdienstes und in Prüfungen.
Der bak Berlin fordert eine bessere Ausstattung der Ausbildungsstandorte.

Sachmittel: Baufällige Ausbildungsstandorte ohne Internet, Telefon und Kopierer sind keine Umgebung, in der Lehrkräfte ausgebildet werden können. Eine moderne Lehrkräftebildung, die den digitalen Anforderungen guten Unterrichtes gerecht wird, kann so nicht gewährleistet werden.

Personal: In Berlin fehlen nicht nur Schulleitungen und deren Stellvertretungen. Auch Seminarleitungsstellen können nicht ausreichend vertreten und nachbesetzt werden. Eine Flexibilisierung des Ausschreibungsrechtes, PKB-Budgetierungen zur Vertretung (analog zu den Schulen) und der Einbezug bereits pensionierter Seminarleitungen können Engpässe überbrücken und Lücken schließen.

Der bak Berlin fordert die Stärkung der universitären Ausbildung. Der Quereinstieg muss eine Notlösung bleiben und darf nicht zum Normalfall werden.

Das Lehramtsstudium muss als primärer Zugang in den Lehrberuf gestärkt werden. Dazu gehört eine langfristige Bedarfsplanung der Studien-kapazitäten sowie eine angemessene Ausstattung der Universitäten, steigende Studierendenzahlen nicht nur bewältigen, sondern mit einem sinnvollen Personalschlüssel betreuen zu können.

Der bak fordert, die Attraktivität des Vorbereitungsdienstes u.a. durch folgende Maßnahmen zu erhöhen:


⇒ Nutzung der digitalen Angebote der Universitätsbibliotheken für alle Referendarin*Innen während der Dauer des Vorbereitungsdienstes.
Es fehlt eine wissenschaftliche Infrastruktur, auf die Referendar*Innen während des Vorbereitungsdienstes zurückgreifen können. Zur Nutzung der digitalen Angebote der Universitäten könnte z.B. eine entsprechende Vereinbarung zwischen dem Bildungs- und dem Wissenschaftsressort geschlossen werden.
⇒ Zuschuss zum Gehalt der Referendar*Innen analog zu anderen Bundesländern.


⇒ Die Möglichkeit, während des Vorbereitungsdienstes einen zinsfreien Kredit zu erhalten.
Alternativ könnte auch ein Teil des späteren Gehaltes vorab während des Vorbereitungsdienstes ausgezahlt werden, der dann in den ersten anderthalb Jahren als angestellter Lehrer/Lehrerin zurückgezahlt wird. Dies würde die Referendar*Innen auch stärker an die Stadt binden.

 

⇒ Stärker praxisbezogene Unterstützungsangebote für Quereinsteiger*Innen, z. B. durch zusätzliche Beratungsmöglichkeiten.

 

⇒ Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf insbesondere für Alleinerziehende mit Kleinkindern, indem ggf. die Seminarstrukturen verändert werden.

 

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