Qualitätsoffensive Bildung in Bremen

Stellungnahme des bak Landesverbands Bremen

20.03.2026 | Bund

Stellungnahme des bak Landesverbands Bremen zur Qualitätsoffensive Bildung

Der bak Lehrerbildung Landesverband Bremen bedankt sich ausdrücklich für den Aufruf des Senators für Kinder und Bildung, sich aktiv an der Qualitätsoffensive zu beteiligen. Die Öffnung des Prozesses für fachliche Rückmeldungen aus der Praxis und der Lehrkräftebildung verstehen wir als wichtiges Signal für eine dialogorientierte und nachhaltige Qualitäts­entwicklung im Bildungssystem.

Als Fachverband für die zweite Phase der Lehrkräftebildung begrüßen wir die Qualitätsoffensive in der Bildung ausdrücklich und unterstützen das Ziel, Unterrichtsqualität, Lernzeit und Bildungsergebnisse nachhaltig zu verbessern. Zugleich möchten wir aus der Perspektive der Lehrkräfte­bildung einige zentrale Ergänzungen einbringen.

Gute Schule braucht gut qualifizierte Lehrkräfte. Die zweite Phase der Lehrkräftebildung sichert die kohärente Verschränkung von Theorie und Praxis und gewährleistet eine kontinuierliche personelle Begleitung sowie eine personenorientierte Beratung zur Entwicklung einer reflektierten und professionellen Lehrer:innenpersönlichkeit. Als Akteur:innen, die die Lehrkräftebildung über alle drei Phasen hinweg überblicken und mitgestalten, sehen wir uns in einer besonderen Verantwortung, zur Qualitätssicherung und -entwicklung beizutragen.

In den letzten 20 Jahren ist das Referendariat verkürzt (von 24 auf 18 Monate) und strukturell reduziert worden (z. B. geringere Hospitations­anteile). Gleichzeitig wurden Modelle des Quer- und Seiten­einstiegs ausgeweitet. Diese leisten zwar einen Beitrag zur Unterrichts­versorgung, bergen jedoch auch die Gefahr einer Deprofessionalisierung und einer schleichenden Entwertung des Vorbereitungsdienstes. Vor diesem Hintergrund sehen wir einen qualitativ hochwertigen Vorbereitungsdienst als unverzichtbaren Baustein zur Erreichung der formulierten Ziele und sprechen uns klar gegen weitere Verkürzungen aus.

Auffällig ist, dass die Lehrkräftebildung – im Gegensatz etwa zur Aus­bildung der Erzieher:innen – in der Qualitätsoffensive kaum explizit be­nannt wird, obwohl sie eine zentrale Stellschraube für Unterricht­squalität darstellt. Wir halten es daher für notwendig, das Referendariat sowie die weiteren Ausbildungsgänge systematisch in die Zielsetzungen und Maßnahmen einzubeziehen.

Vor diesem Hintergrund sehen wir Ergänzungsbedarf insbesondere bei folgenden Maßnahmen:

Maßnahme 6:
Verlässliche Bindung von Referendar:innen an das Land Bremen durch ein zügiges und frühzeitiges Einstellungsverfahren sowie eine Übernahme­zusage (vgl. auch unsere Stellungnahme vom 19.1.26).

Maßnahme 14:
Sprachbildung nicht nur in der Hochschulausbildung der Lehrkräfte stärken, sondern ausdrücklich auch im Referendariat. Dabei sollte systematisch auf die Expertise der Fachleitungen und Ausbildenden in der zweiten Phase zurückgegriffen und diese aktiv in die Konzeption und Umsetzung einbezogen werden.

Zudem verweisen wir auf unsere Stellungnahme „Fachsprachkurse für angehende Lehrkräfte sicherstellen“, die auf die Bedeutung des Sprach­niveaus auch der Lehrkräfte mit Deutsch als Zweitsprache hinweist und gesicherte Angebote zum Erwerb der Sprachniveaus C1 und C2 fordert.

Maßnahme 17:
Stärkere Qualifizierung der Studierenden und Referendar:innen in den Fächern Biologie, Physik, Chemie sowie Geographie, Geschichte und Politik im Hinblick auf die fachfremden Anteile der Fächerverbünde Naturwissenschaften und GuP.

Maßnahme 24:
Supervision sollte auch integraler Bestandteil des Referendariats werden, um professionelle Reflexionsprozesse systematisch zu stärken.

Ergänzung zu Ziel 5 (Datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung):
Systematische Evaluation des Referendariats, um datenbasierte Qualitäts­entwicklung über alle Phasen hinweg zu ermöglichen.

Maßnahme 40:
Stärkere Vernetzung der Ausbildung von Erzieher:innen und Lehrkräften, um kohärente Bildungsbiografien von Anfang an zu unterstützen.

Ergänzung zu Ziel 7 (Digitale Basiskompetenzen):
Analog zu den Studienseminaren in Nordrhein-Westfalen ist eine Ausstattung des LIS mit Materialien für „Digital Maker Places“ wünschens­wert, die sowohl für die Qualifizierung von Referendar:innen als auch für den Unterricht genutzt werden können.

Wir sehen in der Qualitätsoffensive eine wichtige Chance, zentrale Herausforderungen des Bildungssystems strukturiert und wirksam anzugehen. Aus unserer Sicht kann dies jedoch nur gelingen, wenn die Lehrkräftebildung in allen Phasen konsequent mitgedacht und als zentraler Hebel für Unterrichtsqualität verstanden wird. Gern bringen wir unsere Expertise auch weiterhin in den weiteren Prozess ein und stehen für einen konstruktiven fachlichen Austausch zur Verfügung.

© Bild von Luisella Planeta auf Pixabay

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